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Lebendgebärende Zahnkarpfen |
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| Reihe: Knochenfische (Osteichthyes) Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii) Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei) Überordnung: Stachelflosser (Acanthopterygii) Ordnung: Zahnkärpflinge (Cyprinodontiformes) Ok, betrachten wir mal Guppy, Molly, Platy, Schwertträger und Segelkärpfling (also die 5 lebendgebärenden Zahnkarpfen, die üblicherweise im Handel sind) etwas näher: Der Molly (Black Molly, Goldmolly, Silbermolly und wie sie alle heißen) ist gezüchtet worden aus dem Wildmolly und kommt, wie alle seine o.g. Kumpels, aus MITTELAMERIKA (Nördliches Südamerika bis südliches Nordamerika trifft's genauer). Der Wildmolly ist nun ein kleiner grau-grüner unscheinbarer Geselle, der nicht viel mit der "Eleganz" seiner Hochzuchtnachfahren gemein hat. Der Wildguppy hat kleiner Flossen und höchstens ein paar unscheinbare Farbtupfer. Der Wild-Schwertträger sieht dem im Handel befindlichen grünen Schwertträger sehr ähnlich. Allen gemein ist, daß sie durch Zucht "veredelt" wurden und empfindlicher gemacht wurden! ALLE DIESE ÜBERZÜCHTETEN EMPFINDLICHEN TIERE SIND NUR NOCH BEDINGT ALS "ANFÄNGERFISCHE" ZU BETRACHTEN. Man beachte in diesem Zusammenhang die Ansprüche ans Wasser: Diese Zahnkarpfen kommen aus Gebieten mit relativ HOHEN PH- UND KH-WERTEN! Sie fühlen sich also eigentlich in dem leicht sauren und weichen Wasser, welches die südamerikanischen Fische bevorzugen, nicht so wohl. Außerdem mögen sie auch eine leichte MEERSALZzugabe. Der Segelkärpfling kann sogar, nach Umgewöhnung, gänzlich in Meerwasser gehalten werden! Die Hochzuchtguppys im Handel hingegen kommen fast ausschließlich aus asiatischen Zuchtanlagen und sind von daher an saures weiches Wasser gewöhnt. Segelkärpfling und Molly hingegen ziehen nach wie vor das härtere Wasser und die leichte Salzzugabe vor! Halte ich also Salmler und Black Mollys in einem Becken, so fühlt sich einer der beiden nicht wohl! Halte ich Hochzuchtguppys und Black Mollys in einem Becken, so fühlt sich meist ebenfalls einer nicht wohl! Besatzstärke: Allen gemeinsam ist auf jeden Fall, daß sie KEINE SCHWARMFISCHE sind! Sie sind zwar sehr gesellig und leben auch in großen Gruppen, aber das typische Schwarmverhalten fehlt. Normalerweise gilt: Zu einem Männchen wenigsten zwei (besser mehr) Weibchen. Die sexuelle Aktivität des Männchens ist so hoch, daß ein einzelnes Weibchen damit überfordert wäre. Die geschlechtsreifen Männchen sind - je nach Art - unterschiedlich aggressiv gegenüber anderen Männchen. Segelkärpfling und Schwertträger scheuen nicht davor zurück, andere Männchen bis zur Erschöpfung und zum Tode zu jagen. Die anderen drei Arten sind in der Regel etwas duldsamer. In kleinen Becken sollten deshalb je nach Art nicht mehr als ein bis zwei Männchen gehalten werden! Vorratshaltung: Die Weibchen können die SAMENPAKETE, die sie vom Männchen erhalten, eine Weile im Körper "LAGERN". Steht dann mal kein Männchen zur Verfügung, können sie diese Vorratspakete nutzen und, zum Erstaunen so manches Aquarianers, Nachwuchs hervorbringen. So manch abenteurliche Vermutung, wer denn nun das Guppyweibchen "gepoppt" hat, mußte ich mir schon anhören. Geschlechtsunterscheidung: Beim Segelkärpfling und beim Molly ist's die höhere Rückenflosse, beim Guppy ist's die stärkere Färbung und die größere Schwanzflosse, beim Schwertträger ist's das Schwert. Der Platy hat keine so offensichtlichen Geschlechtsmerkmale. Alle diese Merkmale sind sekundär und nicht immer zuverlässig. Primäres und einzig sicheres Merkmal ist das GONOPODIUM. Wo das Weibchen am After eine normal kleine rundliche Flosse hat, hat das Männchen dort eine Röhre, die dazu dient, die Samenpakete in den Leib des Weibchens zu transportieren. Das Gonopodium hat übrigens herzlich wenig mit einem Penis zu tun. Bei all dem Spaß, den wir mit einem Penis haben, guckt das Fischmänchen in die Röhre Rabeneltern: Das Männchen tut nichts anderes als viele andere Männer auch: Befruchten und verduften. Egal, es wird nicht mehr gebraucht. Die befruchteten Eier liegen dann in einer Höhle im Hinterleib des Weibchens (jeder hat sicher schon mal den dunklen, dicken Hinterleib eines "schwangeren" Weibchens beobachten können). Wenn das Weibchen dann irgendwann nur noch dick und träge an der Wasseroberfläche steht, ist es bald "soweit": je nach Art können 20, 30, 40 oder mehr (bei anderen Lebendegebärenden bis über 100) Junge schlüpfen, die dann instinktiv sofort nach Deckung suchen und das nicht ohne Grund: Diese hohe Zahl an Nachwuchs kommt deshalb zustande, weil sie der geschwächten Mutter (und anderen) auch gleich als Nahrung dient. Guppy- und Schwertträgerweibchen machen regelrecht Jagd auf ihren Nachwuchs. Mollys hingegen lassen die kleine oft in Ruhe. BRUTPFLEGE BETREIBEN SIE ALLE NICHT (außer natürlich, das die Eier im Mutterleib geschützt sind). Die Jungen sind nach der "Geburt" völlig selbstständige "Nestflüchter" und auf sich selbst gestellt. Futter: Besondere Vorlieben bezüglich des Futters scheinen sie nicht zu haben. Flockenfutter ist in jedem Fall ok. Zuviel gefrorene rote Mückenlarven fördern anscheinend die Anfälligkeit für Krankheiten. Schwertträger und Mollys sind gute Algenputzer. Monokultur: Zu große Gruppen Lebendgebärender einer Art fördern anscheinend zumindest bei den Hochzuchtformen das Ausbrechen von Krankheiten. Leider bekämpft der Handel dies nur allzu oft mit Medikamenten und Salzzugabe. Kommt das so gebeutelte Fischlein dann in sein neues Zuhause, wo Medikamente und Salz fehlen, so überlebt er oft die Umstellung nicht. Ich bin dazu übergegangen kleine Gruppen, verteilt auf viele Becken, anzubieten. die Sterblichkeitsrate ist seit dem merklich zurückgegangen. Was noch? Der Segelkärpfling neigt gelegentlich zu Agressivitäten gegenüber anderen Bewohnern des Beckens. Der Schwertträger zählt zu den schnellsten und schwimmaktivsten Zierfischen. Er braucht viel Platz um seine Bahnen ziehen zu können. Ein 60er Becken ist sicherlich unangebracht. Die Zuchtformen mit schwarzer Färbung im Körper (Berliner, Tuxedo, etc.) sind anfällig für Hautaufbrüche und Geschwüre. Seit einiger Zeit gibt es Guppyweibchen im Handel, die den Männchen in nichts mehr an Pracht und Schönheit nachstehen. Sie sind genauso schlank. Diese Tiere sind vermutlich mit Hormonen behandelt worden und vermutlich nicht mehr fortpflanzungsfähig oder zumindest kommt nichts Vernünftiges mehr dabei heraus. Warum muß der Mensch dem Tier nicht nur seinen Willen, sondern auch seine verkorkste Vorstellung von Schönheit aufzwingen? Volker Riekenberg Herkunftsregion: südliche USA bis Nordargentinien, heute auch in Asien und weiteren Gebieten |
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